Rabattdenken in Deutschland – soziale Faktoren

Nimm vier, zahl zwei! Man kommt gerade aus dem Supermarkt und verstaut die übervollen Einkaufstaschen im Auto. Spätestens beim Ausräumen der Ware fallen die sechs Packungen Gemüse auf – auf dem Einkaufszettel stand doch nur eine! Trotzdem – sie waren schließlich im Angebot und das Gemüse lässt sich auch einfrieren! Was ist mit den neuen Heckenpflanzen aus dem Baumarkt? Eigentlich hätten vier gereicht, bei acht bekommt man jedoch noch weitere vier dazu – praktisch geschenkt.

Rabattdenken ist in Deutschland ein verbreitetes Phänomen. Während den Menschen von Plakaten, Werbeheften, Broschüren oder der netten Verkäuferin eingetrichtert wird, dass mehr Kaufen auch mehr Sparen bedeutet, ist die Jagd nach Rabatten nicht zwangsläufig einer bestimmten sozialen Schicht oder Herkunft zuzuordnen. Man könnte annehmen, dass Menschen aus finanziell schlechter gestellten Verhältnissen mehr auf Preise achten und somit auch häufiger Rabatte sowie Angebote z.B. in Supermärkten oder Rabattaktionen großer Handelsketten und Kaufhäuser in Anspruch nehmen, um mit ihrem Haushaltsgeld bis zum Ende des Monats auszukommen. Doch diese Betrachtungsweise vernachlässigt eine wichtige individuelle Komponente – den Charakter des Käufers.

Man muss nicht arm sein, um günstige Produkte kaufen zu wollen oder bestimmte Sparangebote in Anspruch zu nehmen. Auch wohlhabendere Menschen können Wert auf ihre Ausgaben legen und Sparangebote nutzen, wenn sie nicht verschwenderisch veranlagt sind. Hier liegt der Unterschied möglicherweise lediglich in der Tatsache, dass sie aus freien Stücken einen Rabatt in Anspruch nehmen, während vielleicht eine ärmere Familie auf diesen angewiesen ist oder zumindest von ihm stärker profitieren kann.

Dennoch muss neben dem wichtigen Faktor der Charaktereigenschaft auch das soziale Umfeld berücksichtigt werden. So ist das Vorhandensein von Rabatten offensichtlich zwingend notwendig, um diese in Anspruch nehmen zu können. Hier könnte es Unterschiede zwischen Stadt und Land geben, da in den Städten und Ballungszentren höhere Einwohnerdichten auch die Existenz großer Supermarktketten rechtfertigen – diese wiederum können durch die Vielzahl angebotener Ware und ihren Umsatz auch größere Rabatte anbieten. Dies ist beim Dorfsupermarkt eines kleinen Ortes vielleicht nicht möglich, wenn die Umsatzeinbußen hierdurch zu stark wären.